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Selbstbestimmung Die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes zu berücksichtigen, geht das? Individualität und Gemeinschaft schließen sich nicht aus. Jedes Kind kann darauf vertrauen, von keinem Erwachsenen der Schule zu etwas gezwungen zu werden, wozu es nicht bereit ist. Die Kinder entscheiden von Beginn ihrer Schulzeit an der FSP freiwillig, ob sie an Lerngruppen und Angeboten teilnehmen, bzw. in welcher Weise sie ihr Lernen organisieren. Dabei wird die Schule als Lernort im engeren Sinn akzeptiert. Darüber hinaus aber eben auch als Spielort, zum Quatschen, Toben, Streiten, Feiern genutzt, kurz als wichtiger Teil des Lebens angesehen.
Die Kinder lernen an unserer Schule, dass sie mit ihrer ganzen Person wichtig sind, beachtet und ernstgenommen werden. Wir haben die Erfahrung, dass Lernen auf diese Weise sehr gut möglich ist und den unterschiedlichen Voraussetzungen der Persönlichkeiten der Kinder gerecht wird. Wann ein Kind sich mit einem bestimmten Lerninhalt beschäftigt, bleibt seine Entscheidung.
Je länger die Kinder an der Freien Schule Pankow sind, desto verantwortungsvoller und bewusster gehen sie mit ihrem Lernen um. Das geht soweit, dass, als alle Kinder einer Altersgruppe eine bestimmte Lerngruppe besuchten, eine neue Kollegin erst von ihrem Team überzeugt werden musste, dass die Kinder dies freiwillig tun. Sie hatte angenommen, für die älteren Kinder gelte die Freiwilligkeit nicht mehr so umfassend und deshalb sei ihr Angebot so gut besucht. Demokratie Die Erwachsenen der Schule (hier: Team und Vorstand) arbeiten möglichst hierarchiefrei miteinander. Das hört sich komplizierter an, als es ist. Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Diese Form der Zusammenarbeit wird durch die Strukturen der Schule und des Vereins ermöglicht. Die wöchentlich stattfindende Schulversammlung spiegelt Demokratie im Schulalltag am Deutlichsten wieder. Grundschule und Sekundarstufe haben getrennte Versammlungen.
Die Teilnahme an der Schulversammlung ist freiwillig, aber ihre Beschlüsse gelten für alle Kinder und Erwachsenen der Schule. Die Themen werden vorher schriftlich gesammelt und bekannt gegeben. Kinder und Erwachsene sind gleichberechtigte Teilnehmer und Stimmberechtigte der Schulversammlung. Gäste sind mit Einverständnis der Schulversammlungteilnehmer zugelassen, aber nicht stimmberechtigt. Der Versammlungsleiter nennt die Themen, leitet die Diskussion, schlägt Beschlüsse vor, lässt abstimmen und diktiert für das Protokoll. Natürlich sorgt er auch während der Schulversammlung für Ruhe und Ordnung und kann Störenfriede rauswerfen. Leitet ein Kind die Schulversammlung, kann es einen Erwachsenen oder andere Kinder um Unterstützung dabei bitten, genauso der Protokollant. Wortmeldungen werden im Uhrzeigersinn berücksichtigt und jeder darf solange reden, wie er/sie braucht. Bei Abstimmungen gilt das Mehrheitsprinzip. Es gibt Abstimmungen über Kaugummiessen in der Schule, das Motto für den Fasching, die Schulfahrt, Diebstähle unter Kindern oder Erwachsenen, Regelüberschreitungen, "kann mein Hund in die Schule?" - alle Themen, die den Schulalltag betreffen. Das hört sich wieder sehr kompliziert an, ist aber bewährt und funktioniert.
Die Schulversammlung ermöglicht allen, die an der Schule sind, direkt das Schulleben mitzugestalten und bewirkt daher ein starkes Gefühl für die Verantwortung des Einzelnen für die Gemeinschaft. Während die jüngeren Kinder anfangs ein bisschen überfordert von der Länge der Diskussion und der Redegewandtheit der Älteren scheinen, schätzen und nutzen die älteren Schülerinnen und Schüler die Schulversammlung sehr souverän als Ort der Mitbestimmung. |